Die Dinner der TITANIC

Viel wurde schon geschrieben über die Dinner auf der TITANIC. Nicht alles davon ist wahr, und nicht alles wirklich nachweisbar. Es konnten in Auktionen zahlreiche echte Menükarten der TITANIC ersteigert werden, wovon es bisher keine echte Menükarte gab, ist das legendäre „letzte Dinner“. Die Speisenfolgen wurden aus der Erinnerung überlebender Passagiere rekonstruiert.

Es wurde schon so viel zu der Versorgung der Passagiere geschrieben, dass wir uns da nicht einreihen möchten und uns auf die Speisen an sich konzentrieren.

Die Klassen

Wie bekannt, gab es die 1. Klasse, die 2. Klasse und die 3. Klasse. Die „First Class“ wurde von finanzkräftigen Passagieren gebucht, und dem entsprechend war das Speisenangebot. Die Reisenden konnten im großen Speisesaal essen oder das Restaurant nutzen. Die Ausstattung des Restaurants erfolgte nach dem Vorbild der Ritz Restaurants und war verpachtet. Es hatte einen Manager, Luigi Gatti, der seine Ausbildung in den Ritz Restaurants in London absolviert hatte und dort auch seine Karriere begann. Der Restaurantmanager musste, oder durfte, seine Mannschaft alleine zusammenstellen und, wie bei Pacht üblich, auch bezahlen. Er war für das Restaurant in allen Belangen alleine verantwortlich, also ein Gaststättenleiter, nicht nur Restaurantleiter. Ihm unterstellt waren ein eigener Küchenchef sowie das notwendige Personal.

Der große Speisesaal wurde von der Zentralküche der TITANIC beliefert.

Die 2. Klasse hatte nur einen großen Speisesaal. Die Passagiere hier waren vorwiegend englischer Nationalität.

Für die 3. Klasse wurde eine Neuerung eingeführt. Auch diese Passagiere konnten in einem einfachen Speisesaal essen und mussten nicht, wie sonst üblich, in ihren Kabinen unter Deck bleiben.

Man bemühte sich, mit dem Speisenangebot auch den sozialen Klassen der Passagiere Rechnung zu tragen, sowie dem Preis der Passage.

Die Speisenangebote

Für die Erarbeitung der Menükarten wurde Auguste Escoffier verpflichtet. Die Zusammenarbeit mit der White Star Linie gestaltete sich für ihn jedoch nicht ganz problemlos. Die Reederei war nicht so leicht zufrieden zu stellen und krittelte viel an Escoffiers Entwürfen herum. Er war ihnen nicht englisch genug. Bereits seit längerer Zeit erstellte Escoffier bereits Menükarten für Schiffahrtslinien.

In der First Class reiste fast ausschließlich die Hautevolee des Jahres 1912, der Geldadel, vorwiegend amerikanischer Herkunft, mit ihren Angehörigen und dem Personal. Selbstverständlich erwarteten diese Reisenden eine entsprechende Bewirtung. Man war sehr streng im Umgang mit der Etikette und es gehörte zum Lebensstil der gehobenen Gesellschaft, auch auf einem Luxusliner entsprechend hofiert zu werden. Damit unterschied sich nichts zum heutigen Anspruchsverhalten. Für sein Geld, die hohen Kosten der Passage, durfte man auch einen entsprechenden Gegenwert verlangen.

Unstimmigkeit unter den Historikern und Chronisten verursacht immer wieder das „Letzte Dinner“. Nach den Geflogenheiten der Zeit, ist die Menükarte nicht als ein Menü zu verstehen, sondern als ein Angebot. Alle Speisen, bis auf die eigentliche Hauptspeise, wurden wahlweise angeboten. Vergleicht man andere Menükarten aus dieser Zeit so ist das Verfahren analog. Niemand musste alles essen.

  • 1. Hors d'oeuvre (kalte oder warme Vorgerichte)
  • 2. Potages, Suppen (klar oder gebunden)
  • 3. Poissons, Fische
  • 4. Grosses pièces, removés, großer Fleischgang
  • 5. Entrées, also Eingangsgerichte, warm oder kalt
  • Sorbet - zählt nicht als Gang
  • 6. Rôti, Braten
  • 7. Entremets, die Zwischengerichte (Gemüsegerichte)
  • 8. Entremets sweet- süße Speisen, Gefrorenes, Backwerk oder auch Kompott
  • 9. Dessert - Früchte
  • 10.Würzbissen - Käse und Butter

Ob Käse angeboten wird, richtet sich nach dem Hauptgang.


1. Hors d'oeuvre (kalte oder warme Vorgerichte)

2. Potages, Suppen (klar oder gebunden)

3. Poissons, Fische
Lachs mit Mousseline-Sauce, Gurke

4. Grosses pièces, removés, großer Fleischgang

5. Entrées

Punch-Romaine

6. Rôti, Braten
Lamm mit Minz Sauce

  • - Chateau potatoes
  • - Parmentier & Salzkartoffeln
  • - Gekochter Reis
  • -
  • - Grüne Erbsen

7. Entremets, die Zwischengerichte (Gemüsegerichte)

8. Entremets sweet- süße Speisen, Gefrorenes, Backwerk oder Kompott

Die bekannte Gliederung und Interpretation des Titanic Menüs stammt von der Kanadierin Dana McCauley. Wir haben das Buch „A Guide to Modern Cookery“ Escoffiers von 1906 zu Hilfe genommen, die ursprünglichen Kochanleitungen zusammen getragen, sowie diverse Kochbücher der edwardianischen Zeit von Elisa Action, Madam Beeton (Kopie von mehreren Kochbüchern ihrer Zeit) und Agnes Marshall konsultiert, die als federführend für die Kochbücher ihrer Zeit gelten.

Die Menüfolgen wurden ursprünglich von Escoffier aufgebaut. Es stellt sich nun die Frage, wie konform ging man auf der Titanic mit Escoffier, denn er sagte: Generell sollten hors d'oeuvres nur Bestandteil einer Mahlzeit sein, die keine Suppe enthält. Das Kapitel 11 seines Buches widmete er den Vorspeisen, und legte darin seine sehr konkreten Vorstellungen darüber dar, wann und wie sie angemessen seien, was zeigt, dass wer auch immer das Menü der Titanic rekonstruiert und interpretiert hat, nicht ganz konform mit ihm ging.

Es wurden beim Titanic Dinner, so wie wir es seit 1997 kennen, mehrere Regeln auf einmal gebrochen.
Das Titanic-Menü bietet sowohl hors d'oeuvres wie auch Suppe an, es ignoriert schamlos die „absolute“ Herrschaft dieser Regel, denn „nur beim Mittagessen“ darf es beides geben. Bei einem Abendessen war es ein glatter Stilbruch in der edwardianischen Zeit. Escoffier beklagte sich allerdings auch darüber, dass die White Star Linie unvernünftiger Weise alles richtig machen wollte, und dabei kulinarisch vieles falsch machte. Andererseits wären diese Stilbrüche aber ein Beweis dafür, dass dieses bewusste Menü eben kein geschlossenes Dinner war, sondern eine Menükarte, aus der die Passagiere frei wählen konnten.

In den Hors d'oeuvres Meeresgetier wie auch in der Suppe? Lt. Dana McCauley hatten die Canapés Garnelen, dazu Austern und in der Suppe Jakobsmuscheln oder auch Versiga, wie verschiedentlich an anderen Stellen zu lesen ist. Die Kraftbrühe Olga hat nichts dergleichen, es ist eine schlichte Rinderkraftbrühe mit Portwein und Gemüsejulien, was auch wesentlich besser passt, denn im Fischgang wiederholt sich ebenfalls diese Zutat. Drei aufeinanderfolgende Gerichte mit Meeresbewohnern in einem Menü? Dass passiert selbst keinem Lehrling im dritten Lehrjahr.

Da man in den gehobenen Kreisen dieser Zeit so streng auf Etikette in allen Lebensbereichen achtete, sind diese 3 aufeinanderfolgenden Gerichte in einer Menüfolge wie bei der McCauley Interpretation schon kaum denkbar. Mit so viel kulinarischer Unwissenheit hätten sich auch die White Stare Linie Küchenchefs nicht lächerlich gemacht.

McCauley schreibt „Hors d'oeuvres various“ was man einerseits natürlich als verschiedene Schnittchen interpretieren kann, various ist aber auch ein feststehender Begriff im Bereich der Garnitur.

Canapees nach Admiralsart [Garnitur à l’amiral bedeutet: Entbartete Austern und Muscheln à la Villeroy, große geriefte Champignonköpfe, Trüffelscheiben, Sauce normande mit Krebsbutter aufgeschlagen] und Austern à la russe klingen natürlich spektakulärer. Es ist stark anzuzweifeln, dass die Austern à la russe zubereitet waren, denn es wurde, gemäß dem Zeitgeist, Sherry als begleitendes Getränk serviert. Auch hier sind zwei Interpretationen möglich. Die berühmten Austern à la russe wurden erst nach 1912 in NY geboren. Es gab aber im 19.Jhdt eine feststehende Garnitur à la russe, die den Sakuski zuzuordnen ist, wobei es sich um marinierte Austern handelt. Viel wahrscheinlicher ist, dass man hier nach der Mode der Zeit verfuhr, und die Austern natur servierte.

Speisekarten der 2. und 3. Klasse


In der 2. Klasse bot man eher englische Speisen an und auch in der 3. Klasse war das Essen entsprechend. Die White Star Linie bemühte sich insgesamt, um ein gutes Speisenangebot.

Bearbeiter: @Justine Marén

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