Aal bis Auster

Kochbuch des Amaranthes

Das Kochbuch ist ein Auszug aus »Nutzbares, galantes und curiöses Frauenzimmer-Lexicon«, dass erstmals im Jahre 1715 erschien. Autor war Gottlieb Siegmund Corvinus der unter dem Pseudonym Amaranthes schrieb. Das Buch entstand in der Zeit der Aufklärung und sollte, nach Vorstellung von Corvinus, dreierlei Klassen Frauenzimmern hilfreich sein: der haushältigen und sorgfältigen, den curiösen und galanten und den gelehrten Frauenzimmern, welche allerseits bei Durchblätterung dieses Lexici hoffentlich etwas finden, das nach ihrem Goust ist, und selbigen ein und andern Nutzen versprechen. Ob er das Ziel zu seiner Zeit erreicht hat, ist nicht mit Sicherheit zu bestätigen. In der heutigen Zeit ist es ein interessantes Lesebuch.

Auch wenn sich der über allem stehende Mann des beginnenden 18. Jahrhunderts auch darüber mokierte, dass Corvinus Allgemeinwissen in seinem Buch verarbeitete, so ist der heutigen Generation vieles nicht mehr ganz so bekannt. Aufbauend auf dem fraulichen Arbeits-Alltag sammelte Amarenthes solches Wissen, was seiner Meinung nach den weiblichen Horizont erweitern solle. Gemäß einem Lexikon geht er alphabetisch vor. Er wollte bilden, aufklären und die Frauen der Zeit an neues Wissen heranführen. Die Art des Buches war neu und man kann durchaus sagen, dass es konkurrenzlos blieb. Das später erschienene Lexikon von Zedler verarbeitete fast das gesamte Lexikon.

Für die heutige Zeit sind die unzähligen Frauengestalten aus Bibel, Mythologie, Geschichte und der damaligen Gegenwart sehr interessant, denn viele Namen sind vergessen. Weiter finden sich Einträge zu weiblichen Berufen und Positionen sowie Artikel der Haushaltsführung, er stellt Lebensstil und Lebensart vor, die nicht ohne Hinweise auf gut und schlecht bleibt. Gerade diese Auflistung lässt das Buch zu einem interessantesten Nachschlagewerk des bürgerlichen Alltags im frühen 18. Jahrhundert werden.

Die sehr exakte Darstellung der damaligen Kochkunst erstaunt. Nicht nur, dass sich komplette Rezepturen mit Mengenangaben darunter finden, man gewinnt den Eindruck, Corvinus stünde selber am Herd und kocht die Gerichte vor. Selbst in vielen späteren Kochbüchern von kochenden Hausfrauen fehlt dieser exakte Ausdruck.