Michael de Leone

auch Michael vom Löwenhof, Michael Jude, Michael de Moguntia, um 1300 geboren

Man geht davon aus, dass Michael Jude um 1300 in Würzburg geboren wurde. Er hatte zwei Brüder - Konrad jr., war älter und Peter war jünger. Beide blieben bei dem Geschlechternamen Jude bzw. Jude von (aus) Mainz. Der Biograph der Bischöfe von Würzburg, der Geschichtsschreiber Lorenz Fries, hinterließ die Information, Conrad Jude von Mainz, der Vater, sei mit 2 Söhnen nach Würzburg gekommen. Dies lässt zwei Interpretationen zu. Er kam nur mit Michael und Peter oder mit Konrad und Michael. Möglich ist beides, da Konrad jr. bereits sehr viel älter als seine Brüder gewesen sein muss. Fries sagt auch, Conrad Jude sei über Köln nach Würzburg gekommen. Die Auswanderung aus Mainz muss nach 1297 stattgefunden haben, da in Urkunden aus Mainz Conrad Jude noch nachweisbar war. In Köln lebte die bedeutende Familie Jude, mit der Conrad wohl verwandt gewesen sein muss. Genaue Informationen sollen sich im ersten Teil seines Hausbuches befunden haben, dass bis heute noch als verschollen gilt.

Die Familie Jude in Mainz hat eine lange Tradition. Die ersten Judes lassen sich bereits im 12. Jahrhundert urkundlich im Schatten der Kleriker von Mainz nachweisen. Noch immer steht die Behauptung, Michael Jude hieß nur Jude, er sei kein Jude gewesen. Das mag für Michael und eventuell auch seinen Vater stimmen, für die altvordere Sippe des Michael stimmt es nicht. Man hieß nicht Jude, wenn man keiner war. Für sich selber brach auch Michael mit dem Geschlechternamen und nannte sich nach seinem Anwesen - Löwe, vom Löwen, Leone -. Wobei ich noch nicht ganz davon überzeugt bin, dass das alles so zufällig war. Die Löwen waren auch der erste Stamm der Juden, der Hauptstamm. Vielfach kann man ebenfalls lesen, M.d.L. sei ein Judenhasser gewesen. Dies ist durch nichts belegt. Er setzte sich auf jeden Fall sehr für die Juden ein, als sie von den Geisslern gejagt wurden.

Über die Sippe Conrads ist wenig bekannt. Conrad Jude Vater war ein Ordensritter, das ist durch verschiedene Hinweise in mittelalterlichen Urkunden belegt. Was für ein Ordensritter ist nur zu vermuten. Möglich ein Templer, wahrscheinlich aber ein Deutschordensritter. In Urkunden aus seiner Lebenszeit geht hervor, dass er auf einem Ordenshof lebte, dem Hof des Herrn von Castell, der ihn dem Orden schenkte, zumindest in der Zeit seines Zuzugs nach Würzburg bis zum Kauf des Löwenhofes. Leider finden sich hier widersprüchliche Aussagen.

Das Erbe des Michael de Leone


Michael des Leone hatte, wie sein Vater und Bruder Konrad, Recht studiert. Er absolvierte sein Studium in Bologna, wie Konrad, allerdings schloss er es als Doktor (Magister) beider Rechte ab, dem Weltlichen und dem Kirchenrecht. Die Studien seiner Söhne finanzierte Konrad sen. aus eigener Tasche, was auf ein beachtliches Vermögen hindeutet, denn die Studenten mussten im Mittelalter alles finanzieren, angefangen bei ihren Bedürfnissen und aufgehört bei den Bedürfnissen der Dozenten. Von 1328 bis zum 8.10.1348 war Michael als Advokat am Offizialat und öffentlicher kaiserlicher Notar. Als bischöflicher Protonotar (oberster Schreiber) wurde er erstmals am 7.Juni 1336 bezeugt. De Leone war ein allseits interessierter Mann. Er beschäftigte sich mit Literatur, Architektur und den Problemen seiner Zeit. Es war sein Wunsch, seinen Erben ein Hausbuch zu hinterlassen, indem er den Nachkommen seines Geschlechts die Geschichte seiner Zeit hinterlassen wollte. Mit den Aufzeichnungen zum Hausbuch begann er vermutlich 1346. Dies fällt zusammen mit der Entscheidung, Kanoniker im Stift Neumünster zu werden, was er nachweislich am 16. Mai 1342 wurde und der Erstellung seines Testament vom 12. 03. 1347. Das Kanonikat setzte die Trennung von allen weltlichen Gütern voraus. Einen Teil seines Eigentums vermachte er den Nachkommen seines Bruders Peter, den Rest dem Stift Neumünster.

Leone Hausbuch oder Würzburger Liederbuch


Das Hausbuch ist leider nur teilweise erhalten geblieben und hatte eine traurige Geschichte, ganz anders als von Michael gewollt. Sein Neffe Jakob, der Sohn von Peter, hatte den Löwenhof geerbt. Er war mit der Würzburger Sippe vom Rebstock verheiratet und Angehöriger des Unteren Rates in Würzburg. Die Rebstocks waren eine große Familie und gehörten zum oberen Patriziat, mehrere Jahrzehnte stellten sie den Bürgermeister von Würzburg. Jakob nannte sich als Erbe des Hofes auch vom Löwen. Jakobs ältester Sohn hieß ebenfalls Michael vom Löwenhof und war der Erbe Jakobs. Das Jahr um 1400 läutete das Ende der Sippe vom Löwenhof ein, denn Jakob wehrte sich mit anderen Würzburgern gegen den Klerus und die Ungerechtigkeit der Zeit in der bekannten Schlacht bei Berchtheim. Am 17. Jänner ließ Bischof Gerhard die Anführer, genannt Rädelsführer, dieser Unruhen den Schultheißen Weibler, die Ritter und Bürger Jakob von dem Löwen, Seifried von Rebstock und Hanns von Erfurt vom Rathaus mit dem scharfen Rad vierteilen. Wie unschwer erkennbar, haben die Bürger die Schlacht verloren. Für die Familie vom Löwen war es eine schwarze Schlacht, denn es verlor nicht nur Jakob sein Leben, sondern seine Nachkommen auch mehr als ihren Vater. Michael jr., der Goldschmied war, musste den Hof verkaufen, da er ihn nicht mehr halten konnte. Mit dem Hof verschwand auch das Hausbuch. Hatte Michael auch gewollt, es bleibt in der Familie, so hat Michael jr. das wohl anders gewollt. Damit ist ein großer Schatz der Minne Sammlung des Michael de Leone verloren gegangen.

Das Buch von guter Speise


Bestandteil des Hausbuches war unter anderem eine Sammlung von Kochanleitungen, die uns erhalten blieb. Ungeklärt ist bis heute, woher sie stammt. Meine Vermutung, aus der Küche der Deutsch Ordensritter. Prof. Edward Schröder von der Uni Marburg vermutete 1903 eine Mitarbeit vom König vom Odenwalde, einem fränkischen Spruchdichter. Er fand viele Gemeinsamkeiten zwischen der Sprache des König v. Odenwald und dem Buch von guter Speise, ohne jedoch aufklären zu können, wer der Poet war. Schröder vermutete, König sei eine Ableitung des Namens Konrad, wie zu dieser Zeit nicht unüblich. Er bezeichnete die Dichtkunst des Königs als unausgereift. Vielleicht verbarg sich dahinter auch Michael selber, der von einem Konrad abstammte. Schröder erkannte, dass die Gedichte des K.v.O. von Leone selber notiert wurden, eventuell war es ja auch sein Bruder. Aber wie gesagt, hier ist alles offen. Auf jeden Fall handelt es sich um gehobene Speisen, die nicht zum Bestandteil der einfachen Küche gehörten.

Mein Verdacht, die Gerichte könnten auch aus der Küche des Deutschen Ordens stammen, haben mit den Gerichten selber zu tun und dem so genannten "Königsberger Kochbuch" der Ordensritter. Beide Aufzeichnungen stammen aus annähernd gleicher Zeit, ihre Sprache ist zu ähnlich um verschiedenen Zeiten zu entstammen.

Das Buch von guter Speise hat heidnische Gerichte, russische, böhmische, griechische und andere. Die Ritter vom Deutschen Haus bezeichneten alle Gegenden in denen sie kämpften als heidnisch.