Hohberg, Wolf Helmhard von

* 20.10.1612 - Lengenfeld bei Krems, Niederösterreich auf Gut Süßenbach
† 29.02.1688 - in Regensburg - begraben in der Bartholomäuskirche in Wöhrd zu Nürnberg
Wolf Helmhard entstammt einem alten schlesisch-niederösterreichischen Landadelsgeschlecht, das bis zum zweiten Weltkrieg seinen Mittelpunkt in Schlesien hatte, und als bedeutender Vertreter der Hausvaterliteratur.

Jugend und Aufstieg


Bis ins 17. Jahrhundert hinein nannte sich die Familie Hohberg, auch Hoberg. Früh Halbwaise geworden, wurde er erst von der Mutter, dann durch ihren Vetter Amandus von Geras im Waldviertel erzogen. Eine höhere Bildung konnte er nicht erhalten, er blieb immer Autodidakt.

Von 1632 bis 1641 diente von Hohberg im Regiment deutscher Knechte unter General Wallenstein, wo er es bis zum Hauptmann brachte. 1641 kehrte er aus dem Krieg auf sein kleines Gut Süßenbach an der Thaya, im nördlichen Niederösterreich, zurück. Anfang der 1650er Jahre kaufte von Hohberg den großväterlichen Besitz von Oberthumeritz zurück, wo er seine erste größere Dichtung, die „Georgica, schrieb. In Süßenbach und Oberthumeritz war er Grundobrigkeit, Dorfobrigkeit und Strafgerichtsbarkeit.

Am 9.2.1650 heiratete Hohberg Anna Margaretta von Rohrbach, genannt Marusch, die 4 Töchter mitbrachte. Ihre einzige gemeinsame Tochter Anna Genovefa, wurde am 12.12.1650 geboren.
1652 wurde er in die Fruchtbringende Gesellschaft aufgenommen.
Am 18.7.1659 erfolgte die Erhebung in den österreichischen Freiherrenstand, und in den niederösterreichischen Landtag. Er wurde vom Ritter- in den Herrenstand erhoben.

1659 verkaufte Hohberg seine Güter Süßenbach und Oberthumeritz an seinen Schwager Wolf Ludwig von Hohenfeld und erwarb von seinen 4 Stieftöchtern die Herrschaften Rohrbach und Klingenbrunn. 1664 verkaufte er diese Güter wieder und übersiedelte für den Rest seines Lebens nach Regensburg in Deutschland. Ursache mag die Religion gewesen sein, denn nicht wenig offiziell katholische Grundherren mussten ihre protestantische Religion heimlich ausüben. Das war sicher auch für Hohbergs ein Motiv für die Übersiedlung nach Regensburg, wo bereits mehrere adelige Exulantenfamilien aus Österreich lebten. Ob auch wirtschaftliche Erwägungen eine Rolle spielten bleibt Spekulation.

Georgica curiosa


Die Georgica curiosa ist das bedeutendste Werk Hohbergs. Es gilt nach wie vor als die Realenzyklopädie der Landwirtschaft des Barockzeitalters und hat den Autor fast ein halbes Jahrhundert beschäftigt. Das Buch wird der Hausväterliteratur zugerechnet. Dem ursprünglich zweibändigen Werk wurde bei der Neuauflage 1715 im Verlagshaus Wolfgang Moritz Endter eine Kurzfassung des „Vollständigen Nürnbergischen Kochbuchs“, von Susanne Endter hinzugefügt. Die Anzahl der Rezepte ist gegenüber dem Hauptwerk stark reduziert. Seinerzeit waren Kochbücher Verkaufsschlager der Buchhändler, daher wollte man sowohl einen Vorteil gegenüber Philipp Florinus „Oeconomus prudens et legalis“ schaffen.

Von den Tartuffles


Im 5. Buch Kapitel XVI, 387 f. wird „Von den Tartuffles oder Indianischen Papas; item denen Erd- Aepfeln / welche Adenes Canadenses genannt werden.“ berichtet. Verschiedentlich erscheint in der Literatur der Kommentar, das dies eine der frühesten Darstellungen des Erdapfels bzw. der Kartoffel sei. Das hier wirklich die Kartoffel gemeint war, ist zu bezweifeln. Mit Adenes Canadenses sind Unterschocken, Erdapfelsonnblume bzw. Topinambur gemeint.

Nach Samuel Hahnemann 1793: Die knolligen, äusserlich röthlichen, innerlich weißen Wurzeln (rad. Helianthi tuber. Adenes canadenses) welche gekocht einen süßen Geschmack und einen widerlich süßen Geruch haben, dienen hie und da als Nahrungsmittel; man hat ihnen die Tugend, den männlichen Samen zu mehren, (vermuthlich ohne gehörige Erfahrung) zugeschrieben.

Laut Hohberg soll Topinambur, damals auch Erdbirne genannt, 1682 beliebter als die Kartoffel gewesen sein.