COELIUS Anonymus

Das ist kein Lebensabriss eines Kochbuchautors im eigentlichen Sinne, denn wer der Autor des als „Kochbuch des Apicius“ bezeichneten Werkes ist, wissen wir nicht. Apicius war auch kein Name, sondern eine Bezeichnung, ein Beiname, wie der Ältere, der Dicke oder eben der Feinschmecker. Der Buchtitel „De re coquinaria“ ist eigentlich unvollständig, denn das was stets als Headlinie gedruckt wurde, gehört dazu Coelius Apicii - Die Feinschmeckerei des Coelius.

Man schreibt das Kochbuch dem bekannten Feinschmecker Marcus aus dem Geschlecht Gavius (oder Gabius) zu, das im 1. Jhdt. lebte. Der berühmte „Apicius“ Marcus Gavius lebte im kaiserlichen Kreis des Tiberius und seines Sohnes Drusus († CE 23). Er war ein enger Freund und Schwiegervater des Sejanus. Nach Plinius dem Älteren, Naturgeschichte (Book 19:137), war M.G. Apicius geboren, um jeden extravaganten Luxus zu genießen. Nach Plinius suchte er nach den erstaunlichsten Köstlichkeiten (Platten der Nachtigallen „Zungen und dergleichen), fütterte seine Schweine mit getrockneten Feigen und schlachtete sie durch eine Überdosis von Honig und Wein. Wenn es wahr ist, dass er seine Gänse mit getrockneten Feigen und Honig fütterte um ihre Leber zu vergrößern, würde dies darauf hindeuten, dass die Ursprünge der foie gras griechisch-römisch sind und nicht französisch.

Als Apicius wurden drei gefeierte Genießer bezeichnet, von denen der erste in der Republik lebte, der zweite, Marcus Gavius - der Berühmteste seiner Zeit - lebte in der frühen Kaiserzeit. Der Dritte, der wahrscheinlich in gar keinem Zusammenhang mit den anderen steht und Coelius hieß, könnte der Autor des überlebenden römischen Kochbuches sein. Man muss das 4. oder sogar 5. Jahrhundert als Entstehungszeit annehmen. Zu dieser Zeit lebte ein Arzt oder Heilkundiger Namens Cölius, der dieses Kochbuch verfasst haben dürfte. Einige der Rezepte könnten auf der Kochschule des Apicius basieren, ein großer Teil entstand jedoch zweifelsfrei weit nach der Ära Marcus Gavius. Die Rezepte sind darüber hinaus nicht italienischen Ursprungs, sondern überwiegend griechisch.

Es soll als erwiesen gelten, dass Marcus Gavius selber Rezepte in schriftlicher Form veröffentlicht hat, ob diese Rezepte allerdings die Grundlage für das Kochbuch »De re coquinaria« bilden, ist nicht gesichert. Es ist nicht einmal gesichert, dass diese Aufzeichnungen überhaupt erhalten blieben oder je existiert haben.
Es ist in der Forschung nach wie vor umstritten, wer der tatsächliche Autor dieses antiken Kochbuches war. Teilweise wird behauptet, Cölius hat den Namen von Marcus Gavius seiner Bekanntheit wegen nur entlehnt. Obwohl Untersuchungen zum römischen Kochbuch gemacht wurden und man recht überzeugende Worte dafür fand, dass Marcus Gavius durchaus als der Verfasser der Mehrzahl der Rezepte in Frage käme, ist es jedoch nicht sehr glaubhaft. Mindestens 12 Gerichte dieses Kochbuches, einschließlich der Bezeichnung Liquamen für die Salzwürze der Griechen, entstanden definitiv weit nach der Lebenszeit dieses Apicius, und 300 Jahre sind schon sehr weit.

Durch die Jahrhunderte verfälscht


IMHO hat dieses Kochbuch ganz sicher einen großen Wert hinsichtlich der Überlieferung der Ernährung im 4./5. Jhdt., niemand weiß jedoch, wie viel an dem ganzen Schrifttum herummanipuliert wurde. Das „Original“ war lange Zeit in einem Kloster, wo man sehr viel Praxis im Fälschen von Urkunden hatte und überhaupt, man will immer glauben, was man glauben will. Ich auch, ich will aktuelle Beweise für die bis dato unbewiesene Behauptung sehen, dass dieses Kochbuch von Marcus aus dem Geschlecht Gavius stammt, erst dann werde ich daran glauben. Die ganze Geschichte gleicht sehr der Konstruktion über Hildegard von Bingen.

Mehr zu dieser ganzen Thematik finden Sie in der historischen Rezeptwerkstatt, da es sich hierbei nicht um deutsche Küche handelt.