Anthimus aus Byzanz

Anthimus war ein griechischer Arzt aus Byzanz der um 500 n. Chr. lebte. Er war im Gefolge von Theuderich Strabo und später von Theuderich dem Großen, jedoch nicht als Leibarzt. Zuvor soll er wegen Hochverrats aus Konstantinopel ausgewiesen worden sein, da er versucht hatte, die Goten brieflich über die Entwicklungen in Konstantinopel aufzuklären. Der Brief wurde abgefangen. Überliefert wurde dieser Hinweis durch den Historiker Malchus von Philadelphia. Anthimus wurde zu den Franken abgeschoben.

lebte um 500 n.Ch.
Geburtsort: Byzanz

De observatione ciborum


Anthimus ist in der Geschichte weltweit als Autor der »Beobachtungen über das Essen« bekannt; ein Brief an Theuderich gerichtet, welcher nach 511 und vor Theuderichs Tod, entstanden sein muss. Er lehnte sich dabei an die Hippocratische Sammlung an und verwendete Abschriften daraus.

Unter dem oströmischen Kaiser Zeno (474 - 491), so bestätigt die Geschichtsschreibung, hatte sich ein Arzt Anthimus in Konstantinopel an den Wirren, die damals durch die Goten entstanden, beteiligt, und sich sogar mit deren König in Verbindung gesetzt. Für seine nicht gerade patriotischen Umtriebe wurde er mit seinen Genossen verbannt.

Von dem Goten-König, wohl Theuderich/Theoderich, wurde er, als illustrer Mann bezeichnet,und an den gleichnamigen Frankenkönig (511 bis 534) entsandt. Diesem widmete er dann seine Schrift „De observatione ciborum“, worin er nach einer Einleitung über die Notwendigkeit einer vernunftgemäßen Ernährung der damals gebräuchlichen Nahrungs- und Genussmittel - Brot, Fleisch, Fische, Muscheln, Bier, Gemüse, Hülsenfrüchte, Milch, Obst - schrieb. Er führte sie mit kurzer Angabe ihrer Verwertbarkeit und ihrer gesundheitlichen Wirkung an, das Werk ist so halb Kochbuch halb medizinischer Ratgeber.

Anthimus Sichtweise:


Es ist das letzte Kochbuch aus der Epoche des Römischen Reiches bzw. wurde zu einer Zeit geschrieben, als es noch einen römischen Senat gab. Wir haben eher einen langen Brief in Latein abgefasst, als ein Buch im heutigen Sinne. Anthimus verarbeitete darin, was er in seiner Zeit als gesunde und ungesunde Lebensmittel wahrgenommen hatte und kommentierte die Essgewohnheiten. Zur Ernährung gehörten Agrarprodukte, Obst und Gemüse, Beeren und Schweinefleisch. Vorrangig wurde das Fleisch gekocht. Wild hatte einen äußerst geringen Anteil an der Ernährung. Er berichtet uns, dass die Menschen nur Früchte wie Äpfel und Birnen aßen, die in der Sonne gereift waren und äußerte sich ablehnend über Essensexzesse. Sein Rat war wahrscheinlich vergeblich, denn viele der Adligen werden sich kaum die Zeit genommen haben, seine Schrift zu lesen, auch wenn sie davon gehört hatten. Bei seiner Einschätzung und Bewertung stützte er sich auf die alte Vier-Säfte Lehre. So empfahl er Ingwer und Butter als Medikament, nicht als Kochzutat.

Anthimus Arbeit gibt uns eine gute Vorstellung davon, wie die germanischen Völker in dieser Zeit aßen, und zeigt das Zusammenspiel zwischen römischer und germanischer Tradition des Essens:

Er empfielt Liquamen, was bedeutet, dass zu diesem Zeitpunkt noch verwendet wurde. Er erwähnt auch, dass die Schweinezitzen eine gute Mahlzeit sind. Dies zeigt, dass Schweinezitzen kostspielig und fester Bestandteil der römischen Küche waren. Er beschreibt, dass einige Leute Melone und posca Pennyroyal, die einem römischen Rezept für Melone entsprechen, mit Essig oder passum essen. Dies beweist, dass die römischen Gewohnheiten in der Esskultur noch immer verwurzelt waren.

Betrachtungen


In unserer Zeit ist Anthimus für die Sprachwissenschaft von großem Interesse. Er dient als Forschungsquelle für den Umgang mit dem italienischen | romanischen Latein. Anthimus schrieb langobardisches Latein, dass bereits im 6. Jhdt bei den Gothen eingeführt wurde. Er ist ein Zeuge des gotischen Italien. Allerdings scheint die heute vorliegende Schrift des Anthimus kaum mehr ein Original zu sein. Sie wurde seit dem 9.Jhdt systematisch sprachlich bearbeitet, dadurch verändert und wohl auch sinngemäß entstellt. Die Sprache des Anthimus ist vorläufig das älteste schriftstellerische Zeugniss für die Anfänge romanischen Sprachgefühls. Die lange Auseinandersetzung über die Begeisterung der Franken für den Speck, der für sie nicht bloss ein Hauptnahrungsmittel war, wie allen deutschen Stämmen, auch den Gothen. Theoderich verbietet sogar seine Ausfuhr aus Italien. Dem Bonifatius machte das Speckessen der Deutschen sogar theologische Bedenken. Die Thematik ist sogar Gegenstand einer Anfrage bei Papst Zacharias [s. Bonif. ep. 80 Jaffé Bibl. III, 224.] Speckessen soll schon bei Plinius ein Heilmittel für alles Mögliche gewesen sein.

Kochbuch Francorum de obseruationem ciborum


Unter den Getränken gönnt Anthimus der cervisa sein Lob, die griechische tisana aber empfiehlt er und scheint sie einführen zu wollen, wie die den Gothen in Italien liebgewordene Polenta.

Fischnamen bei Anthimus
Naturgeschichtlich wie sprachlich merkwürdig sind vor allem die Fischnamen. Er verwendet die seltene form „nauprida„ für Lampreten (ahd. lamprida, lampreda, lamphrida), die schon der Deutsche ältester Zeit mit Wortwitze in das altdeutsche Wort Lantfrida, gleich dem alten Eigennamen Lantfrid Lamfrid umdeutete. Fälschlich setzte man sie später vielfach der „murena“ gleich. Anthimus gibt sie für ungeheuer schädlich aus. In Venedig wurde die Lamprete nicht gegessen, weil sie als „giftig“ galt.

Eine andere Meinung die auch der heilige Ermenlant vertreten haben muss als er fastenhungrig am Ufer der Loire bei Nantes wandelte: Hier an der Loire in der sie so häufig ist, gilt sie von jeher als eine beliebte Fastenspeise, wie es Pierre Belon in „La nature et diversité des' poissons“ rühmte. Von der Seelamprete sagt Belon, wie Anthimus und die Venediger, das gleiche. Es ist möglich, dass Anthimus mit der „nauprida oder naupreda„ das Neunauge meint. Dasselbe Wort ist auch das deutsche Bricke oder Pricke für Neunauge. Nau ist neun, Naupreda könnte daher Neunfleck bedeuten, so dass Neunauge nur die deutsche Übersetzung von Naupreda, Lampreda, wäre.

In allen keltischen Sprachen sind die jungen Lachse Selmlinge. Nach den Wörterbüchern hieß der „saumoneau“ in Frankreich Tacon. Dasselbe Wort kommt als Teccones bei Anthimus vor. Belon beschränkt den Namen auf einen örtlichen Gebrauch der Auvergne. Unerklärt ebenso die in der Lesart nicht minder unsicheren Trucanti.

Vögel bei Anthimus
Bei der Besprechung der Vögel lesen wir eine sonderbare Abhandlung über die Giftigkeit des Fleisches der „turtures agrestes“. Dies wird sonst von den Wachteln erzählt, ähnlich auch von Galenus über die Möglichkeit einer Weiterwirkung verdauter Nahrung. Dass die Wachteln Nieswurz lieben oder Stare den Schierling, wurde durch Galen allgemeiner Volksglaube, hier scheint eine Verwechselung vorzuliegen. In medizinischer Beziehung bleibt es bei dem geringen Umfang der Schrift bei bestimmten Übeln, bei „nützlich“ oder „schädlich„, schwer und unverdaulich, mit häufiger Rücksicht auf Nierenleiden, auch Ruhr und Schwindsucht.

Sonstiges


In späterer Zeit hat man die Anthimus Epistel auch mit den Schriften von Plinius dem Jüngeren gemischt.