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Sydow, Wilhelmine Friederike Caroline von

* 26 Nov 1789 in Thumitz, Gutssiedlung,
† 25 Jun 1867 in Schleusingen
Kochbuchautorin, Pseudonym Isidore Grönau

Familie, Herkunft


Wilhelmine Friederike Karoline von Sydow, entstammte dem Adelsgeschlecht derer von Criegern. Sie war die jüngste Tochter von Karl Friedrich von Criegern, eines königlich dänischen Hauptmanns, und einer geb. v. Kracht, vom Rittergut Türkendorf bei Spremberg in der Nieder-Lausitz, einer sehr altadligen Familie, die in königlichen Diensten stand.
Auf Thumitz lernte sie den Freund ihrer Brüder, Friedrich Wilhelm v. Sydow, kennen, verlobte sich 1807 mit ihm und heiratete am 6. Dezember 1809. Von Sydow war königlich preußischer Hauptmann und wurde später nach Erfurt versetzt. Wilhelmines Vater soll ihm die Einwilligung zur Eheschließung allerdings nur unter der Bedingung gegeben haben, dass er die militärische Laufbahn aufgibt.
1830 siedelte die Familie nach Sondershausen über, wo Wilhelmine von Sydow lange Jahre als Vorsteherin eines Frauenvereins wirkte, dessen Zweck die Unterstützung und Belehrung der Armen war. Ihr Mann übernahm die Redaktion des Sondershausener Unterhaltungsblattes, schrieb Romane und Erzählungen.
Nach 1845 lebte die Witwe zuerst bei ihrem Sohn. Nach dessen Wiederverheiratung bei ihrer Tochter in Schleusingen, wo sie auch 1867 verstarb. Unter dem Pseudonym Isidore Grönau verfasste sie am Anfang ihrer Karriere Aufsätze in Zeitschriften.

Das Geschlecht derer von Criegern
Ein im Königreich Sachsen erneuerter Adelsstand. Das kursächsische - Reichs - Vicariats - Adelserneuerungs - Diplom erging am 1. Juli 1711 für Joachim Friedrich Crieger, kursächsischer General und seinen Bruder, Dietrich Joachim, unter dem Namen: v. Criegern. - Die Familie stammte ursprünglich aus Polen und soll in früherer Zeit den Namen: Croyern geführt haben. Aus Polen kamen sie nach Pommern, die Mark Brandenburg und dann nach Sachsen. Der kursächsische General Joachim Friedrich v. Criegern, war 1701 in kursächsische Dienste getreten und stiftete aus dem von ihm erworbenen Rittergut Thumitz in der Oberlausitz ein Fideicommiss für die Familie. Seine Nachkommen pflanzten den Mannesstamm durch mehrere Söhne fort, die in kursächsischen Staatsdiensten standen. So Friedrich Theodor v. Criegern, Herr auf Thumitz, Appellations-Gerichts -Präsident zu Bautzen; Kurt Heinrich v. C, Appellations-Rat und Director des Bezirks-Gerichts Dresden und Friedrich Bobert v. C., Geheimer Justizrat und Ministerialrat im Justiz-Ministerium. Aus der pommerschen Linie war Heinrich v. C. 1740 Präpositus zu Demmin. Sein Bruder besaß die Güter Mauker und Zerraützel bei Ruppin. Johann Carl v. C, war Herr auf Buckwitz in der Altmark und königlich preußischer Kriegsrat.

Nachkommen


Wilhelmine von Sydow hatte 5 Söhne und wenigstens eine Tochter. Sohn: OSCAR Friedrich Bernhard von Sydow * 28 Jan 1811 in Freiberg/Sachsen, war evangelisch-lutherischer Geistlicher, Lehrer und Schriftsteller. 1811 war der Vater in Freiberg stationiert, bis 1818 in Erfurt, dann in Sondershausen. Hier besuchte er von 1821 bis 1830 das Gymnasium und studierte anschließend in Berlin. 1836 wurde er erster Lehrer an der königlichen Töchterschule in Berlin-Friedrichstadt und dem zugehörigen Lehrerinnenseminar, 1839 ging er nach Annaburg, wo er Prediger und Schulinspektor am Militär-Knabenerziehungsinstitut wurde. 1843 wurde er in Erfurt Divisionsprediger und 1847 in Stettin Militäroberprediger des 2. Armeekorps. Im Oktober 1857 wurde er Superintendent und Pastor in Altenkirchen auf Rügen. Die Universität Greifswald ehrte ihn 1868 mit der Verleihung des Titels Doctor Theologiae.

Oskar von Sydow war zweimal verheiratet. Aus der zweiten Ehe mit Ida Agnes vom Hagen stammte die Tochter CLARA Auguste Beda von Sydow (1854-1928), die ebenfalls als Schriftstelerin bekannt wurde.

Schriftstellerisches Schaffen


Wilhelmine von Sydow war eine sehr fleißige Schriftstellerin, die wohl unter dem Pseudonym Isidore von Groenau Trivialliteratur verfasste, gemeinsam mit ihrem Mann Romane schrieb, und unter ihrem wirklichen Namen Hauswirtschaftsliteratur herausgab. Ihr Kochbuch "Koch- und Wirtschaftsbuch für Haushaltungen jeder Art." Sondershausen, Druck und Verlag Friedrich August Eupel, Erstdruck 1834, wurde sehr bekannt. Allerdings ist sie uns heute weniger als Kochbuchautorin überliefert, was dazu führt, dass die Angaben zu ihren Lebensdaten sehr verschieden sind und in der Regel nicht übereinstimmen. Als Romanschriftstellerin erhob sie sich nicht über den Durchschnitt. Sie schrieb kräftig, zeigte gute Kenntnisse, war aber ausladend. Ihre Bücher wurden durch die zahlreichen Abschweifungen oftmals langatmig.

Unter Isidore von Grönau erschien u.a.

  • 1) Aussaat und Lohn, eine Erzählung (Allg. Modeztg. 1822 Nr. 37). -
  • 2) Glaube und Schicksal, eine Erzählung (Allg. Modeztg. 1822 Nr. 63; auch in ihres Mannes Erzählungen. Bambeig u. Würzb. 1823.) -
  • 3) Anteil an Werk ihres Mannes: Die Familie Heino. Leipz. 1822. -
  • 4) Die Vergeltung (in ihres Mannes Erzählungen. Bamberg 1823). -
  • 5) Die Täuschung, Erzählung (AHg- Mudeztg. 1823 Nr. 32. Auch in Philippis Merkur 1823 Nr. 98 f.) -
  • 6) Das Verinächtniss, Erzählung (Allg. Modeztg. 1823 Nr. 91). -
  • 5) Die Blutschuld, oder Leben und Liebe, eine Kriminalgeschichte (Allg. Modeztg. 1824 Nr. 42ff.) -
  • 8) Die Grafen von Nordheim oder das Rätsel von Friedburg. Leipz. 1825. 8. -
  • 9) Opferblumen Niedergelegt auf dem Altare der Liebe und Freundschaft. Eine Sammlung auserwählter Erzählungen. Leipzig 1829. II. 8.
  • 10)Kunigunde, Königin von Böhmen. Ein historischer Roman, Gemälde des 13. Jhdts. Leipz. 1830. II. 8. - 11)
  • Die Inselfahrer Ein Roman aus der Wirklichkeit Leipz. 1831. II. 8. - 12)
  • Die drei Freundinnen. Die Freiheitsjünger. - Joseph der Pompier. Drei Erzählungen für Familienkreise und zur nützlichen Unterhaltung für die Jugend. Berlin 1834. 8. -
  • Die Verirrten. Ein Roman für die Gegenwart. Sondershausen 1843. II. 8. -
  • Johann Adolph der letzte Herzog von Sachsen-Weissenfels. Histor. Roman. Leipz. 1852. III. 8. -
  • Palmo und Lorbeer. Ein anglo-indianisches Zeitbild aus den Zwanziger Jahren. Leipz. 1858. III. 8. -
  • Die Marketenderin. Eine Volkserzählung. Leipz. 1859. 8.
  • Die Belagerung von Stralsund. Histor. Roman. Berlin 1861. II. 8. Vgl. Schindel 2, 361. 3, 1-26. 239.

Hauswirtschaftsliteratur


  • Koch- und Wirtschaftsbuch für Haushaltungen aller Art, 1834, Sondershausen bei Eupel

Erster Teil: Die Kochkunst in der Stadt wie auf dem Lande. Ein Buch für Freunde kräftiger Hausmannskost, sowie für Feinschmecker. Zweiter Teil: Die Wirtschaftskunst. Ein Wegweiser für alle Zweige des Haushalts.

  • Der moderne Teetisch, Sondershausen, Eupel
  • Die Gartenbestellung, Obst und Blumenkultur im Freien wie im Zimmer, Sondershausen, Eupel