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Beeton Isabella Mary

★ 14. März 1836 in London, Geburtsname Mayson
† 6. Februar 1865

Eltern


Isabella Mary Mayson war die Tochter von Benjamin Mayson (1801-1840) und Elizabeth Jerram, und wurde in der Milk Street 24 in Cheapside/ London geboren. Der Vater starb, als das Mädchen 4 Jahre alt war, und die Witwe, erst 25, blieb mit insgesamt 4 Kindern, von denen das letzte noch nicht geboren war, zurück. Elizabeth Mayson wurde 1815 im Londoner Viertel Marylebone geboren. (Ihre Eltern waren Isaak Jerram und Mary Standage) Sie war gezwungen, das Handelshaus ihres Mannes, eines Tuchgroßhändlers am Clement’s Court in der Londoner City, zu übernehmen. Erst kurz vor Isabellas Geburt 1836, war das Handelsunternehmen samt Familie in die Milk Street umgezogen, wo Benjamin Mayson ein repräsentatives Gebäude erworben hatte.

Da die Mutter das Großhandelsgeschäft nicht beherrschte, musste sie das Unternehmen nach 3 Jahren aufgeben, sie war bankrott. Isabella, vorehelich gezeugt, wurde zuerst zu ihrem verwitweten Großvater John Mayson, Pfarrer aus Thursby, südlich von Carlisle in Cumberland, nahe der schottischen Grenze, geschickt, bevor sie wieder zur Familie zurück kommen durfte. Ein durchaus übliches Verfahren im victorianischen England.

Am 24. März 1843 heiratete die Mutter den 1840 verwitweten Drucker Henry Dorling, mit dessen Familie die Maysons schon lange befreundet waren, der ebenfalls 4 Kinder mit in die Ehe brachte. Isabellas leibliche Geschwister hießen Elizabeth Ann Mayson (1838), John Mayson (1839) , Esther Mayson (1841-1931). Das Paar bekam dann noch 13 eigene Kinder.

Henry Dorling war eng mit dem Rennbetrieb in Epsom verbunden, er wurde der erste Rennleiter. Er leaste den kompletten Gebäudebestand und zog mit seiner gesamten, rund 25 Personen umfassenden, Familie nach Epsom, und unterhielt dort eine Bibliothek und seine Druckerei. Isabella versorgte zusammen mit ihrer Großmutter Jurrum den gesamten Haushalt und ihre Geschwister. Henry Dorling beklagte sich des öfteren über den Lärm im Haus, worauf Isabellas Mutter antwortete - Meine Kinder und Deine Kinder kämpfen mit unseren Kindern. - Später zog die Familie um.

Ausbildung


Henry Dorling schickte Isabella in das Heidelsche Institut nach Heidelberg/ Deutschland um hier Musik und Sprachen zu studieren, wo auch die anderen Mädchen der Familie Mayson/Dorling und Beeton erzogen worden sein sollen. Angeblich lernte sie auch die deutsche Küche kennen und kochen. 1854 kehrte sie nach Epsom zurück. Sie nahm Klavierunterricht bei Julius Benedict in London, und soll auch bei einem örtlichen Bäcker namens Barnard Unterricht genommen haben. Möglich, dass dies eine zweckdienliche Legende ist.

Ehefrau und Verlagsmitarbeiter


Unter welchen Umständen sich Isabella und Samuel Orchard Beeton wirklich kennen gelernt haben, ist nicht bekannt. Sein Vater Powell war Inhaber der Dolphin Tavern in der Milk Street, die er von seinem Vater übernommen hatte. Denkbar, dass sich auch die beiden Mütter kannten. Es soll jedoch bereits seit 1854, also ihrer Rückkehr aus Heidelberg, ein Briefwechsel bestanden haben. Das Paar heiratete am 10. Juli 1856 in der St. Martin’s Parish Church in Epsom, ohne den Segen des Stiefvaters. Henry Dorling missfiel der Lebenswandel Beetons. Beeton war Verleger, und sein Geschäft lief damals noch gut, er war jedoch recht unzuverlässig.

Über Samuel Orchard Beeton wird allgemein gesagt, er war ein großspuriger junger Mann, bekannt für Glücksspiel und den Genuss von Frauen; ein unternehmerischer Prahlhans, frech und zu risikofreudig. Der Besuch von Bordellen hatte ihn mit Syphilis infiziert und wohl auch den Tod von Isabella verursacht. Später soll er auch Mathilda (Myra) Browne geschwängert haben, mit der er einen Sohn hatte. Browne hatte im Verlag den Platz von Isabella eingenommen, mit der sie befreundet war, und kümmerte sich zunächst um die zwei überlebenden Söhne.

Der reichliche Tod von Beetons Kindern kann viele Ursachen gehabt haben. So wird u.a vermutet, und wird wohl auch wahr sein, dass die Syphillis die Hauptursache war. Für diese These spricht, dass das erste Kind Samuel Orchard mit nur drei Monaten starb, wohl an pränataler Syphilis. Sie erlitt bis zur Geburt des zweiten Kindes 1859 mehrere Fehlgeburten. Das zweite Kind Samuel Orchard starb mit dreieinhalb Jahren 1862. Hier finden sich in der Sterbeurkunde Hinweise auf eine Syphilisinfektion des Kindes. Dann wurden zwei Kinder geboren, die das Erwachsenenalter erreichten. Der dritte Orchard kam 1863, das vierte Kind Sir Moss Mayson Beeton 1865 zur Welt, er starb 1947.

Bewertung von Beetons Buch


Was wahr ist, wird wahr bleiben. Wie auch der ach so hoch gejubelte Baron von Vaerst, Gastrosoph, war Isabella Beeton eine Plagiatorin aller erster Ordnung. So gut wie kein Wort aus ihrem Buch, geschweige ein Rezept, stammt wirklich von ihr. Alles ist von den berühmten Köchen ihrer Zeit und der wirklich schreibenden Eliza Action zusammengeklaut. Ob ihre Nachkommen nun versuchten, diesen miesen Eindruck zu beschönigen oder nicht, Fakt ist Fakt. Samuel Beeton nahm es auch sonst nicht so genau. Er druckte bereits 1852 Onkel Toms Hütte als Raubkopie.

Auch die Mär, sie hätte die Rezepte ausprobiert, kann man lächelnd verwerfen. Sie hatte zwei Hausangestellte, das Buch an die 1000 Rezepte, 1 Jahr 365 Tage. Frau Beeton war aber reichlich unterwegs, musste sich um alle Veröffentlichungen des Verlages kümmern, Unternehmersgattin und mehrfach schwanger sein. Wenn sie wirklich etwas ausprobiert hat, war es höchstens ein minimaler Teil.

Eliza Action hat sich selber in ihrem Buch gegen die Plagiatswut von Beeton gewehrt. Man hat aber auch Rezepte von:

  • Antoine Carême
  • Louis Eustache Ude, Koch des Duke of York,
  • Charles Elmé Francatelli, Maître d'hôtel bei Queen Victoria
  • Simpson’s Cookery, verfasst vom Küchenchef des Marquis of Buckingham
  • Hannah Glasse,
  • Elizabeth Raffald
  • Maria Rundell
  • The Cooks Oracle, William Kitchiner und
  • Thomas Websters Enxyclopedia of Domestic Economy,
  • Alexis Benoît Soyer, Koch des Reform Clubs
  • Graf Rumford

zweifelsfrei identifizieren können. Sie hat wortwörtlich, teilweise sogar die Referenzen an die ursprünglichen Autoren unkommentiert, übernommen. Ganze Absätze stammen aus dem Panthropeon von Alexis Benoît Soyer. Von Thomas Webster hat sie das Kapitel Arrangement of the Kitchen fast unverändert übernommen, einschließlich der Zitate von Graf Rumford, der mit Webster befreundet war. Einfach beispiellos.

Bei so einer kaltblütigen Klauerei entsteht immer die Frage nach dem Warum. Die Antwort liegt wohl im ökonomischen Bereich, denn der Verlag Beetons lief nicht, oder besser gesagt, Beeton verzockte alles. Die Familie verlor ihr Haus in Pinners und musste in ein wesentlich schlechteres Haus umziehen, wo es feucht und kalt war. Er soll, so findet man in den Tiefen des Web auch verschiedentlich, seine Frau massiv unter Druck gesetzt haben, sie nicht einmal in Ruhe schwanger sein lassen, und er hat sie auch weiterhin betrogen. Das was Isabella Beeton geschaffen hatte im Verlag ihres Mannes, war für ihre Zeit beachtenswert und durchaus schon revolutionär. Es hätte den Beetons ein schönes Leben gesichert, wenn SOB nicht alles um die Ecke gebracht hätte. Beeton wollte für die Mittelklassefrau Bücher und Zeitschriften machen. Für Frauen, die nach der Eheschließung ihr Leben allein bewältigen mussten. Durch ihre 20 Geschwister hatte sie ganz sicher Erfahrungen. Ihre persönliche Mitarbeiterin war ihre Halbschwester Lucy.

Sam Orchard verlor später seinen Verlag, wahrscheinlich hat er ihn verspielt, obwohl es anders dargestellt wird, und starb 12 Jahre nach seiner Frau an Tuberkolose. Isabella Beeton durfte, ähnlich Henriette Davidis, nie sterben. Erst übernahm Mathilde Browne ihre Rolle, später andere Frauen.

Der Sohn Mayson war verheiratet mit Louis Swinley Lady Price-Jones und hatte 3 Kinder.