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Augspurg Anita Johanna Theodora Sophie

* 22. 09.1857 Verden/Aller
† 20. 12.1943 Zürich

siehe hier
nach Patacky 1898: Dr. jur., München, Kaulbachstr. 51 a.

Nach Lina Morgenstern in der Deutschen Hausfrauen-Zeitung


Anita Augspurg stammt mütterlicherseits aus der bekannten, fast nur aus Ärzten bestehenden Familie Langenbeck, väterlicherseits aus der fast nur aus Juristen bestehenden Familie Augspurg. Als Nachgeborene wurde sie fast wie ein Einzelkind betrachtet, das sich viel selbst überlassen blieb. Mit einer reichen Phantasie begabt, beschäftigte sie sich lieber allein mit selbstgeschaffenen Gebilden, als mit Spiel- und Altersgenossen. Früh entwickelte sich ihre Liebe zur Natur und den Tieren. Sie streifte gern in Haide und Feld umher, wie sie überhaupt ihren Körper durch Kraftübungen zu stärken suchte. Ihrer glücklichen Kindheit folgte jedoch eine Jugendzeit, in der sie sich unglücklich in engherzigen Formen und philiströsem Elend der kleinen Stadt fühlte. So viel es anging, zog sie sich von dem unerquicklichen Gesellschaftstreiben zurück und suchte ihre Zerstreuung und Erhebung in Studien der Literatur und Kunst.

Ihr Vater, der Rechtsanwalt war, beschäftigte sie auch mit Arbeiten in seiner Kanzlei. Bei den damaligen Vorurteilen war es selbstverständlich, dass sie bald als überspannt erklärt wurde. Aber je weniger sie Verständnis in ihrer Umgebung fand, desto mehr erwachte der Drang nach Selbständigkeit und künstlerischer Lebensgestaltung. Am Anfang glaubte sie, bei ihrer grossen Vorliebe zur Malerei, dass sie diesen Beruf erwählen würde, aber bald war es die Schauspielkunst, für die sie sich entschied.

Sie zog nach Berlin, um sich von Frau Frieb-Blumauer zur Künstlerin ausbilden zu lassen. Nach einigen Jahren sah sie sich am Ziel ihrer Wünsche und war auf den Bühnen in Meiningen, Riga, Altenburg und Amsterdam tätig. Sie vermochte nicht, sich in dem Schablonismus und dem Treiben am Theater wohl zu fühlen und sagte demselben Valet, um sich ihre Selbständigkeit in einem geschäftlichen Berufe zu sichern.

Im Verein mit Sophia Goudstikker begründete sie in München ein photographisches Atelier, dessen schnelles Emporblühen namentlich dem hervorragenden Talent des Fräulein Goudstikker zu danken war. Nun erst konnte Anita zu voller Kraft- und Lebensentwickelung gelangen, indem sie in einen neuen Kreis trat, wo Kunst- und Geistesleben die gesellschaftliche Atmosphäre bildeten und sie sich so wohl fühlte, dass sie München als ihre eigentliche Heimat betrachtet. Wie Anita selbst sich ausdrückt, »streifte sie nun die letzten Eierschalen des konventionellen Lebens ab in der freien Luft Süddeutschlands, welche der Entwickelung einer Individualität so ungleich günstiger ist, als der Norden.« Durch zufällige Anregung trat sie in die Frauenbewegung ein, indem sie von dem Verein Frauenbildungsreform gewonnen wurde, der sie bald in seinen Vorstand aufnahm.

Sie machte Reisen durch ganz Süddeutschland. Dabei reifte in ihr ein neues Ziel: die Rechtsstellung der Frau in dem zu erwartenden Bürgerlichen Gesetzbuch, welche ihr lebhaftes Interesse erregte. Sie fühlte, dass juristische Kenntnisse der Frau notwendig seien und die einzige sichere Basis bildeten, um mit den alten Traditionen zu brechen. So beschloss sie 1894 Jurisprudenz zu studieren und ließ sich an der Universität in Zürich immatrikulieren.

Im Winter 1895/96 unterbrach sie ihre Studien und hielt in den verschiedensten Städten Deutschlands Vorträge, um die Frauen aus ihrer Indolenz, die eigene gesetzliche Stellung betreffend, aufzurütteln. Sie beteiligte sich bei der Organisation des Protestes gegen die Gesetze des neuen Bürgerlichen Gesetzbuches, welches der Frau im Familienrecht Einschränkungen auferlegte. Sie nahm an den beiden Frauenprotestversammlungen im Februar und Juni 1896 in Berlin teil, im September 1896 an dem in Berlin tagenden Internationalen Kongress, wo sie einen Vortrag über das Recht der Frau hielt. Anita Augspurg hörte Vorlesungen an der Universität in Berlin über das Rechtsstudium. Im August 1897 promovierte sie zum Dr. Juris promoviert.

Bibliographie


  • ‒ Anleitung zur Blumenmalerei in Öl, Aquarell, und Deckfarben. 8. (29) Dresden 1890, Leipzig, Levien. n 1.-
  • ‒ Die ethische Seite der Frauenfrage. 12. (35) Minden 1893, W. Köhler. n -.60
  • ‒ Gesegnete Mahlzeit, Kochanleitung. 8. (40) Dresden 1892, Volksbücher-Verlag M. Fischer
  • ‒ Pflege deine Blumen. 8. (32) Ebda. 1892, bar -.20
  • ‒ Untersuchungen über Praxis und Entstehung der Volksvertretung in England. Inauguraldissertation. München 1897.
  • ‒ Wie kleide ich mich? Prakt. Anleitung zur gesundheitsgemässen und geschmackvollen Kleidg. f. Jedermann. 8. (32) Dresden 1893. Volksbücher-Verlag M. Fischer

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