[<>]

Albrecht, Sophie

[Sophia Albrecht] Die Autorenschaft von Sophia Albrecht bezüglich des "Thüringisches Kochbuch für die bürgerliche Küche" kann nicht bewiesen werden. Möglich, dass der Verleger Ludwig Hilfenberg ihr in ihrer schweren Lebenssituation entgegen kommen wollte, und ihren Namen, der immer noch bekannt war, als „Zugpferd“ benutzte. Es ist ein Kochbuch wie tausend andere dieser Zeit und nicht auf Thüringen zugeschnitten.

Johanna Sophia Dorothea Albrecht, geb. Baumer
* Dezember 1757 in Erfurt
† 16. November 1840 in Hamburg


Herkunft und Familie

Ihr Vater war Johann Paul Baumer (1725-1771), Doctor und Professor der Arzneikunde und Weltweisheit, ihre Mutter, eine geborene Tenzel, verstarb im Jahr 1782. In das Haus ihres Vaters zog 1767 der Medizinstudent Johann Friedrich Ernst Albrecht. Als der Vater 1771 gestorben war, verheiratete die Mutter sie am 16.Juni 1772 mit Albrecht. Sophia war erst 14. Laut Garlieb Helwig Merkel hätte das Paar 2 Kinder gehabt. Die Tochter Dorothea Charlotte (1771-13.10.1839) und einen Sohn, der mit 18 Jahren Bedienter geworden sein soll. Über die Kinder ist nichts bekannt, auch nicht, ob sie tatsächlich existierten. Laut Merkel sollen sie bei einer Pflegefamilie aufgewachsen sein. Aufgrund der Untreue ihres Mannes ließ sich Sophia 1798 scheiden,nach einer kurzen Affäre und dem Tod ihres Liebhabers, wurde die Ehe erneut geschlossen.

Leben und Karriere

1784 wurde die Albrecht Schauspielerin. Mit Zustimmung ihres Gatten trat sie der Theatergruppe von Gustav Friedrich Großmann bei. Ihr Wunsch Schauspielerin zu werden, wurde wohl auch deshalb von ihrem Mann unterstützt, weil er hoffte, mit ihrem Geld besser leben zu können. Albrecht baute Zeit seines Lebens einen so hohen Schuldenberg auf, dass Sophia nach seinem Tod all ihren Besitz verlor und letztlich nur noch den Weg ins Armenhaus in Skt. Pauli gehen konnte. Bis zum Tod ihres Mannes war sie sein Ernährer, der nach der missglückten Mission als Leibarzt des Grafen Manteuffel nie wieder wesentlich zum Familieneinkommen beitrug. Was er anpackte wurde zu Pech, nie zu Gold. Auch seine zahlreichen Bücher brachten keine nennenswerten Tantiemen.

Großmann (* 30. November 1746 in Berlin; † 20. Mai 1796 in Hannover) erkannte Sophia Albrechts Talent und er förderte sie. Er verschaffte ihr ein Engagement am Theater in Frankfurt am Main. Mit großem Erfolg debütierte sie in der Rolle der Lanassa am Liebhabertheater in Erfurt am 15.1. 1782. Albrecht begleitete seine Frau anfangs zu Auftritten nach Leipzig, Dresden, Frankfurt am Main und nach Prag. Unter ihren Bewunderern war auch Friedrich Schiller. Es entwickelte sich eine enge Freundschaft zwischen Schiller und dem Ehepaar Albrecht. Gemeinsam verbrachten sie den Sommer 1785 in Leipzig, wo Schiller im Hause Albrechts seinen Don Carlos beendete. Während dieser Zeit übersetzte Johann Friedrich Ernst Albrecht das philosophische Werk Jean-Jacques Rousseaus ins Deutsche.

1785 wurde Sophia von Pasquale Bondini für sein Ensemble unter Vertrag genommen, mit dem sie in Leipzig, Dresden und Prag auftrat, während ihr Ehemann in Erfurt blieb. Am 30. August 1787 spielte sie die Prinzessin Eboli in der Uraufführung des Don Carlos. Später verkörperte sie noch weitere Schiller-Rollen u.a. in Kabale und Liebe.
Neben der Theaterarbeit betätigte sich Sophia Albrecht als Schriftstellerin am Musenalmanach von Johann Heinrich Voß und an der Thalia von Friedrich Schiller. Ihre Gedichte und prosaischen Aufsätze sind u.a. bei Richter in Dresden 1781, 1785 und 1791 erschienen. Sie war Vertreterin literarischtätiger Schauspieler der ersten Periode in der Entwicklung der deutschen Schauspielkunst. Die Literatur stand dem Theater noch nicht so nah, und der Bedarf an Repertoirestücken wurde meist von gebildeten Schauspielern geliefert. Außerdem war es Sitte, bei Eröffnung und Schluss der Saison das Publikum in Theaterreden, Epilogen etc. zu begrüßen. In dieser, dem praktischen Bühnenbedarf zugewendeten Richtung literarischer Arbeiten, war S. Albrecht nicht ohne Talent und feineren Sinn tätig.
Unter ihren erzählenden Dichtungen ist eine 1783 erschienene Umarbeitung der „Aramena“ Herzog Anton Ulrichs von Braunschweig erwähnenswert.

Johann Friedrich Ernst Albrecht stand der Freimaurerloge Carl zum Felsen nahe, Sophia wurde in die Aktivitäten der Loge eingebunden und zum Meister vom Stuhl der Schwesternloge gewählt.

In den letzten Lebensjahren musste sie sich ihren Lebensunterhalt mit Gelegenheitsgedichten, als Wäscherin und Dienstbotin verdienen. Ihr angespartes Vermögen wurde von den zahlreichen Gläubigern ihres Mannes gänzlich aufgebraucht. Völlig verarmt starb sie nur wenige Wochen vor ihrem 83. Geburtstag am 16. November 1840, im Allgemeinen Krankenhaus der Vorstadt Hamburg - St. Georg.

Das Kochbuch

1838/ 1839, als das „Thüringisches Kochbuch für die bürgerliche Küche“ gefertigt wurde, war Sophia Albrecht bereits um die 80 Jahre alt. Ihre Geburtsstadt Erfurt hat sie seit mehr als 50 Jahren nicht mehr betreten. Die Schauspielerin lebte vorwiegend in der Vergangenheit, schmückte sich gern mit alten Theaterkleidern und kränkelte. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass lediglich ihr Name als Autorenname diente. Das Kochbuch ist ein Zusammenschnitt typischer deutscher Rezepte, nicht regional geprägt.

Webreferenzen

[<>]

← [[wiki:kategorien:autoren-wiki:kochbuchautoren|Personenliste^ [[wiki:klassische_kochkunst|Home ^ [[wiki:kategorien:autoren-wiki:allestein_emma|Allestein, Emma →