Kulinarische Legenden

Es gibt viele Geschichten über die Entstehung von Gerichten, die nur in der Hälfte aller Fälle so stimmen, wie sie uns in der Literatur dargestellt werden. Mit den kulinarischen Geschichten ist es wie mit der stillen Post, und jeder der sie verwendete, dichtete etwas dazu oder ließ etwas weg.

Geschichten Portal: ABCDEFGHIJKLMNOPRSTUVWZ

Gerichte und Geschichten


Essenhistoriker, Journaillisten und Kulturhistoriker teilen sich diesen Bereich. Jede Disziplin nähert sich der Sache aus einem anderen Blickwinkel. Im Laufe der Zeit kommen auch noch die „Gastrosophen“ dazu und die Philosophen. Wer hat nun recht? Vielleicht alle aus ihrer Sicht, denn es ist sehr schwer, bei vielen Gerichten den wirklichen Ursprung zu finden. Ein Beispiel. Nehmen wir die „Spritzkuchen“ oder den „Falschen Hasen“.

Wir finden seit vielen Jahrzehnten die Bezeichnung Eberswalder Spritzkuchen, weil die Stadt Eberswalde bzw. die Nachfahren des Eberswalder Zuckerbäckers Gustav Louis Zietemann der Meinung sind, er sei der Erfinder dieses Gebäcks gewesen. Die vorhandene Literatur beweist uns jedoch, dass es die Sprützkuchen oder Sprützenkrapfen oder Spritzkringel oder, oder, oder schon seit der Entwicklung des abgebrannten, gebrennten Teiges gibt, und den kannte man schon im 16. Jahrhundert. Strauben, die ganz und gar nichts mit Spritzkuchen zu tun haben, buk man bereits im Mittelalter. Herr Zietemann eröffnete lediglich 1832 eine Konditorei in Eberswalde, mit Spritzkuchen warb man zu diesem Zeitpunkt aber nachweislich schon mehr als 100 Jahre und erwähnte sie in Romanen.

Unser netter Falscher Hase zeigt im Gegensatz dazu, geschichtlich den Verfall eines Gerichts, da er, bevor er falsch wurde, einmal echt war.

Kochbuchforschung ist eine sehr junge Disziplin. Man kann erst Ursprünge unserer Speisen richtig bestimmen, wenn man alle alten deutschen Kochbücher reproduziert hat, zum Glück ist die Menge überschaubar.

Lüge & Wahrheit


Auf Grund der bisher schlechten Auswertungskultur von Archiven, und der erst im Beginn befindlichen Kochbuch- und Rezeptforschung, kann man nicht sagen, jemand spricht nicht die Wahrheit. Informationen schöpfen wir alle nur aus der Literatur. Man kann höchstens sagen, jemand hat unzureichend recherchiert oder konnte zu seinem Zeitpunkt keine besseren Quellen finden. Es ist ein schöner Traum zu denken, man kann ohne zu hinterfragen Informationen verwerten. Wem man immer misstrauen sollte, dem geschriebenen Wort von Journaillisten. Es gibt ja kaum noch wirklich guten Journalismus. Die meisten Schreiberlinge denken, wenn sie nicht irgendwas blutrünstiges oder obszönes in ihre Abhandlungen packen, liest es keiner. Vieles aus der Vergangenheit wird in Deutschland nur durch den Kakao gezogen, traurig eigentlich. Leider geht bei diesem Vorgehen der wissenschaftliche Wert dieser Informationen verloren und sie werden unbrauchbar. Einer Quelle die mit Ironie und Häme gespickt ist, würde ich nie vertrauen. Man muss ohnehin bei allen Artikeln aus Tagespresse, Regenbogenpresse und Wikipedia sehr vorsichtig sein. Auch bei diesen Geschichten hilft immer ein wenig Ahnung vom Handwerk. Am ehesten kann man wohl Historikern vertrauen, die sich ohnehin mit alten Geschichten befassen.

Das Geschichten Portal


Was zu beweisen war. Ob dieses Wiki immer den richtigen Ursprung der Dinge zweifelsfrei gefunden hat, können wir nicht sagen. Sofern wir uns nicht auf Archivmaterial stützen können, was zu 50% nicht möglich ist, müssen auch wir die urälteste zugängliche Literaturquelle verwenden. Auch wenn wir einen großen Literaturbestand haben, steht in keinem Buch alles. Man möge uns aber verzeihen, wenn auch wir nicht alles glauben, was wir so lesen. Die historische Wahrheit ist halt immer eine Annäherung, wir waren ja nicht dabei und die meisten die darüber geschrieben haben auch nicht.

In anderen Sprachen
Übersetzungen dieser Seite: