Volksküche


Volksküche und Volksküchen sind zwei paar Schuhe, denn Volksküchen gehören in den Bereich der Armenspeisung und wurden auch Suppenküchen bezeichnet. Die deutsche Volksküche ist die Küche des Volkes, der einfachen Leute, die man heute vielfach fälschlich mit der Hausmannskost gleich setzt. Als der Begriff Volksküche im kaiserlichen Deutschland im Sinne einer Armenspeisung entstand, war es ein schönes Wort, das über den diskriminierenden Inhalt hinwegschönte. Das Kaiserpaar gab sich volkstümlich, weil es doch Dinge für das Volk schuf.

Des Volkes Küche


Die volkstümliche Küche, heute meist als Hausmannskost bezeichnet, fasst das zusammen, was in den nichtbürgerlichen Haushalten auf den Tisch kam und heute fest in der Familie verankert ist. In der Nachkriegszeit empfand man es auch als eine einfache Küche und erwartet keine komplizierten oder teuren Speisen.

Bedauerlich ist, dass man wieder dabei ist, den Begriff Volksküche herab zu degradieren als Umschreibung für Suppenküchen oder Armenspeisung, denn des Volkes Küche ist keine Armenspeisung. Bedauerlich auch deshalb, weil dieser Bereich, zu dem die Tafeln gehören, ein knallhartes Geschäft geworden ist und nur noch auf Kommerz aufgebaut. Vordergründig ist es ein nie zu sättigender Absatzmarkt für am Verfallsdatum befindliche Waren, verfüttert an Menschen, die zur lebenden Mülltonne werden. Im Rückwind dieser ganzen hilfreichen Aktionen werden Millionenumsätze mit der politisch geschürten Armut realisiert.

Die traditionelle deutsche Volksküche


Man muss zunächst die unterschiedlichen Bezeichnungen für die verschiedenen Küchen kennen, um sie richtig einzuordnen. Eine Volksküche gab es eigentlich immer, da es immer einfache Leute gab. Der Landarbeiter, der Fabrikarbeiter, das Hausmädchen, sie alle galten als einfach. Weder der Bauer, der auf dem Feld arbeitete, noch das Mädchen, das sich in einem Haushalt verdingte, war das, was im späteren Sinne als arm verstanden wurde. Armut entwickelte sich erst mit der technischen Revolution im 19. Jahrhundert. Es ist auch nicht richtig zu sagen, die Landarbeiter mussten hungern und der Landadel fraß. Kein Landarbeiter musste hungern, denn der Gutsherr versorgte seine Leute. Was im heutigen Sinne darunter verstanden wird, ist ganz sicher etwas anderes, als in den vergangenen Jahrhunderten. Ein durchgehender Bestandteil vieler Jahrhunderte war der Getreidebrei, den arm wie reich gleichermaßen aß. Viele Menschen die außerhalb der Stadt lebten, hatten einen riesengroßen Garten in Wald und Flur, und meist auch einen kleinen Garten ums Haus. Die Unfähigkeit, sich die Natur nutzbar zu machen, entstand erst nach dem Krieg.

Zur traditionellen Volksküche gehörten neben dem Brei, Brot und sämtliche fleischlosen Gerichte. Die einfachen Leute aßen sehr kohlenhydrathaltig, denn Mehlspeisen sind nun einmal das Fleisch des einfachen Mannes. Es entwickelte sich eine Kochtradition, die alles mit dickem Mehlkleister aufwertete um zu sättigen. Viele alte Leute kochen noch heute in diesem Stil, indem sie selbst Eintöpfe satt mit Mehl andicken, dicke Mehlsoßen kochen und jedes Gemüse noch mit Mehl pampig machen. Der Nachteil dieser Küche ist ein ständiges Völlegefühl, Blähungen, Diabetes und andere Krankheiten. Der starke Vitaminmangel macht krank. Eine weitere Folge dieser stark kohlenhydratreichen Ernährung ist ein ewiges Hungergefühl.

Deutsche Essgewohnheiten


Zu den volkstypischen Essgewohnheiten gehört auf jeden Fall der Aufbau der Gerichte. Für die meisten einfachen Menschen gehört bis heute zum Mittag reichlich Kartoffeln, viel Soße und kaum Gemüse. Es wird nach wie vor gern angedickt, Einbrennen verwendet, selbst Eintöpfe müssen schön dickflüssig sein. Man will ja doch satt werden. Würde sich der Mensch entschließen können, all die hochglykämischen, Hunger auslösenden Bestandteile zu meiden, wäre er satt und hätte keinen Hunger. Man isst zwar einerseits wenig Haxen, weil sie ja doch so fett sind, schiebt sich aber Weihnachten fette Gänse, viel Kohl, viel Kartoffeln und reichlich mehlgedickte Soße ein. Es ist für den überwiegenden Teil der Deutschen, die fette Gänse essen, undenkbar, dies nicht mit Kartoffeln und Mehlsoßen zu tun.

Des Deutschen liebstes Kind sind Eintöpfe. Auch hier werden die dicken stopfenden Suppen den weniger kohlenhydratreichen vorgezogen. In vielen Gegenden ist es immer noch verbreitet, Eintöpfe mit Mehl anzusämen.

Viele Gerichte sind einfach und typisch für die nationale Küche. Klopse, Kohlrouladen, Goulasch, Eintöpfe, sämtliche Kartoffelgerichte, Schmorbraten, Geflügelgerichte. Weit verbreitet ist ebenfalls, die ohnehin schon sehr dicken Eintöpfe noch mit Brot „zu titschen“.

Volksküche heute


Die heutige Volksküche hat sich bei jungen Menschen zu fast 100% zu einer Fast Food Küche entwickelt. Es soll schnell gehen, man will gar nicht mehr kochen. Tiefkühltruhen sind vollgestopft mit allen erdenklichen Mikrowellengerichten, es gibt fast überall Dosenfutter und Imbisseinrichtungen, wo schnell etwas gegessen werden kann. Die Billignahrung besteht aus reichlich Chemie, Konservierungsstoffen und Geschmacksverstärkern. Die einfache Küche hat sich zur Chemieküche gewandelt.

In anderen Sprachen
Übersetzungen dieser Seite: