Bürgerliche Küche

Der Begriff bürgerliche Küche bezeichnet die Küche des Bürgertums, zu der auch die gutbürgerliche Küche und die Hausmannskost zählt.

Das Bürgertum


Das Bürgertum war der so genannte 3. Stand. Die Bevölkerungsgruppe zwischen Adel und Klerus sowie der unfreien Landbevölkerung und dem lohnabhängigen städtischen Proletariat, dem 4. Stand. Bürger nannte man ursprünglich die Bewohner der vor den Mauern gelegenen Kaufmannssiedlungen, basierend auf Burg. Bürger standen außerhalb des Lehnssystems und waren oft sogar mit königlichen Sonderrechten gegenüber den Stadtherren ausgestattet. Seit dem 12. Jahrhundert zählte zum Bürgertum in diesem Sinn die Schicht der freien Gewerbetreibenden in der Stadtgemeinde. Genossenschaftlich waren die Gewerbe in Gilden und Zünften organisiert, sie verfügten über persönliche Freiheit, wirtschaftliche Eigeninitiative und kommunale Selbstverwaltung. Die Ziele des Bürgertums waren ein gesichertes, großes, vererbbares Privateigentum zur Absicherung gegenüber den anderen privilegierten Ständen. Das Bürgertum wurde zum Träger des industriellen Fortschritts. Gleichzeitig entstand innerhalb des Bürgertums ein Gegensatz zwischen einem erfolgreichen Großbürgertum, zu dem Großkaufleute, Bankiers, Fabrikanten und Patrizier zählten, und dem von diesen abhängigen Kleinbürgertum.

Insofern unterschieden sich auch die kulinarischen Möglichkeiten. Dem Großbürgertum ist die gutbürgerliche Küche zuzuordnen, die der fürstlichen, höfischen Küche sehr ähnlich war. Dem Kleinbürgertum die einfachere bürgerliche Küche, die weniger opulent war.

Die bürgerliche Küche entstand bereits weit vor der bürgerlichen Gesellschaft, sie gab es bereits im Mittelalter. Heute kann man den so genannten Mittelstand als das moderne Bürgertum betrachten.

Kleinbürgertum


Hierunter fasst man die Angehörigen des Bürgertums, die der untersten Schicht angehörten: Handwerker, kleine Kaufleute, Volksschullehrer. Er war materiell eingeschränkt in seinen Möglichkeiten und noch heute bescheinigt man ihm eine beschränkte, nur auf die eigene kleine Welt bezogene Weltsicht. Die kleinbürgerliche Mittelschicht ist seit Mitte des 19. Jahrhunderts ständig vom Absinken ins das Proletariat bedroht. Verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage, drohte der soziale Abstieg. In seinem Verhalten jedoch orientierte sich der Kleinbürger stark am wohlhabenden Großbürgertum. Dadurch ergab sich ein „aufgesetzter“ Lebensstil, weil die materiellen Mittel für den gehobenen Anspruch oft nicht reichten. In der Lebenseinstellung und Erziehungsorientierung hatten Ordnung, Pünktlichkeit, Sauberkeit und Untertanengeist das Primat.Hat man auch sonst nichts, hat man doch seinen Stolz.

Die kochende Hausfrau


Der einfachen bürgerlichen Küche ist es eigen, dass die Hausfrau selber kochte, maximal durch eine Mamsell unterstützt, die daneben auch den Haushalt mit versorgte, insbesondere wenn Kinder im Haus waren, gab es auch ein Hausmädchen. Die Kost war besser als im Haushalt der Proletarier und schlechter als im Haus des Großbürgertums. Der Höhepunkt der gesellschaftlichen Aktivitäten war der Sonntag, wo man „auftafelte“, sich die Familie zusammenfand. Montags war dann Restetag.

Bürgerliche Kochbücher


Auch im Kochbuchbereich unterscheiden wir Literatur für die Kleinbürger und die Gruppe für das Großbürgertum. Die Unterscheidung ist auch hier im Bereich der Zutaten zu machen. In keinem kleinbürgerlichen Kochbuch finden sich gehobene Zutaten und Kochmethoden. Man kochte schlicht, doch nicht grundsätzlich ohne Raffinesse. Da auch die Kochbücher nur von Hausmädchen oder Proletarierfrauen geschrieben wurden, kamen sie nicht über den einfachen Stand hinaus. Man erkennt sie an der ungeordneten Ausdrucksweise, teilweise wirr und unlogisch, da die Autorin oft wohl nicht einmal kannte, über was sie schrieb. Kochbuchautor war ein schlecht bezahlter Job und oftmals schrieben die Damen auch nur im Auftrag des Verlages ab.

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